FrEUlein Beedabei – Wo die Welt innehielt, begann eine Reise
Seit jenem Tag, an dem FrEUlein Beedabei ihren Platz in der großen Geschichte gefunden hatte, war Zeit zu etwas Seltsamem geworden.
Die Welt war stiller geworden, bedächtiger, einsamer. Und doch summte es in ihr – ein Ruf, den nur jene hörten, die weitersehen konnten als bis zum eigenen Gartenzaun.
FrEUlein Beedabei hörte ihn zuerst.
Ein leises Flirren im Wind, ein Ruf nach Aufbruch.
Sie wusste sofort, wohin er sie führen würde.
FrEUlein Beedabei spürte es schon von Weitem: Dieser Ort war anders. Ein leiser Ruf, kaum mehr als ein Luftzug, zog sie über Wälder und Felder, immer schneller, immer zielstrebiger. Ihre Flügel summten im Takt eines unhörbaren Liedes, als sie sich dem Schloss Weissenstein in Pommersfelden näherte. Die Welt draußen hielt den Atem an, doch hier – hier pulsierte etwas.
Auf einem Platz standen hunderte gelber Balkonkästen, gefüllt mit unterschiedlichster bienenfreundlicher Bepflanzung. Sie standen dort wie wartend, bereit, zu einem großen Kunstwerk geformt zu werden.
FrEUlein Beedabei konnte kaum glauben, was sie sah.
„Für uns!“, flüsterte sie gerührt. „Sie schaffen ein Kunstwerk, das für unsere Zukunft sorgen wird.“
Hinter ihr begann es zu summen. Ihre Schwestern waren ihr gefolgt, neugierig, leuchtend, lebendig.
In diesem Moment traten Peter und Gisela aus dem Schatten der Arkaden.
Noris, der Geist von Nürnberg, schwebte neben ihnen her, die Hände in die Taschen seiner Geisterjacke geschoben.
Sie standen vor einem großen Aufbauplan, ausgebreitet von Lothar Schatz, einem Bienenfreund aus Stuttgart. Sein Name ist Programm als Hüter des Plans. Linien, Sterne – die Idee nahm Form an.
„Da bist du ja“, sagte Noris leise und nickte FrEUlein Beedabei zu. „Ich wusste, du würdest kommen.“
„Natürlich bin ich gekommen“, antwortete sie „Ich wollte sehen, ob das Kunstwerk so leuchtet, wie ihr es Euch gedacht habt.“
Peter lächelte. „Es tut mehr als das. Es verbindet.“
Einen Moment lang standen sie alle da – das Künstlerpaar, der Geist, und die kleine Biene, die verzückt zu dem Plan schauten und schon erahnten, wie es werden würde.

Dann begann die Arbeit.
FrEUlein Beedabei und ihre Schwestern flogen über das entstehende Kunstwerk, begleiteten jeden Handgriff.
Sie wussten: Jeder Kasten war mehr als Farbe – er war ein Versprechen.
Als alles fertig war, schwebte FrEUlein Beedabei erschöpft auf einem Kieselstein nieder.
Ein vertrauter Luftzug streifte ihre Fühler. Noris setzte sich neben sie.
„Schön geworden, oder?“ fragte er.
Sie nickte. „Es atmet. Es erinnert uns daran, dass Miteinander etwas ist, das man pflegen muss – wie eine Blüte.“
Noris sah in die Ferne. „Und bald fliegen sie hinaus, nicht wahr? Die Kästen.“
„Ja“, antwortete FrEUlein Beedabei. „Wie Pollen. Sie tragen das, was hier gewachsen ist, in die Welt hinaus. Zu Altenheimen, zu Helfern, zu Menschen, die Licht brauchen. Jede ein kleines Zeichen, dass etwas Gutes bleibt.“
„Dann war’s das also?“, fragte Noris leise.
„Nein“, lächelte sie. „Es ist erst der Anfang.“
Er zog eine kleine goldene Blüte aus seiner Tasche und legte sie vor sie. „Für den nächsten Weg.“

Sie sah ihn an. „Danke, Noris. Du bist der Wind, der mich findet, wenn ich müde werde.“
„Und du bist der Klang, der bleibt, wenn alles still ist“, sagte er.
Ein Windhauch, ein Leuchten – und Noris war verschwunden.
FrEUlein Beedabei blickte zum Himmel.
Ihre Freundinnen kreisten über den Kästen, bereit, weiterzufliegen.
Sie lächelte, schloss kurz die Augen und flüsterte:
„Wo die Welt innehält, beginnt eine Reise.“



